NOCH NÄHER Installation 3 Videos ca 5min, 8 Malereien, Teppiche, Soundperformance, 2025

 

 

 


Text zu "noch näher" von Künstlerin* Miri Ian Gossing, 2025

 

Wenn du nicht NOCH NÄHER kommst, dann heul ich laut

 

“The wild (...) is never a return to some primordial nature, it’s an end- less plunge into chaos, a perpetual meeting with what resists explanati- ons.“ – J. Jack Halberstam, Wild Things – Disorder of Desire (2020)

 

„We are, constitutively, companion species. We make each other up, in the flesh.“ – Donna Haraway, When Species Meet (2007)

 

Wie nah ist zu nah? Können wir uns miteinander verwandt machen? Was bedeutet Nähe, wenn Distanz und Trennung allgegenwärtig sind? Mit ihrer installativen Arbeit noch näher stellt Lioba Schmidt grundlegende Fragen nach Verbindung, Intimität und dem Körper als Ort poli- tischer wie persönlicher Aushandlung. In einem atmosphärisch dichten Zusammenspiel von Malerei, Video und Stimmperformance entfaltet sich ein Erfahrungsraum, in dem Grenzen verschwimmen: zwischen Mensch und Tier, Traum und Realität, Körpern und Landschaft.

Lioba Schmidts künstlerische Praxis ist interdisziplinär und zugleich physisch. Ihre Arbeiten kreisen um den menschlichen Körper, nicht als abgeschlossene Einheit, sondern als durchlässige Membran, die sich in Beziehung setzt: zu gesellschaftlichen Normen, emotionalen Landschaften und nicht-menschlichen Wesen. Ihre Filme und Performances befragen, wie sich Begehren, Verletzlichkeit, Einsamkeit und gegenseitige Fürsorge in den Körper einschreiben und wie sie darin sichtbar, spürbar und hörbar werden können. In noch näher wird Schmidts intime künstlerische Forschung erstmals in einer Verbindung von drei sich diffraktiv ergänzenden Medien weitergeführt. Ihre Kamera kommt gerne näher, als es das Auge darf. Sie durchdringt die Texturen, Haare, Körper und sucht nach etwas Wahrem hinter den materiellen Oberflächen. Die intuitiven Striche ihrer Malereien lassen uns die Orientierung verlieren und die Körper verschmelzen. In den kurzen Videos wird getastet, gebissen und innere Bewegungen spürbar. Stimmen der zu Performenden gewordenen Besuchenden schichten sich im Raum und reagieren aufeinander. Malerei trifft auf Bewegtbild, trifft auf klingende Körper, ein Moment von Kontakt und Präsenz entsteht.
 

Was ist gelebte Verbindung? Mit mir, meinem Körper, mit anderen, mit der Welt? In der Beziehung zu Tieren findet die Künstlerin einen Spiegel für ihre Fragen: Tiere schämen sich nicht für ihre Körper. Sie kennen keine kontrollierte Pose, keine erlernte Distanz. Ihre Körperlichkeit ist direkt, ungeschützt, nah – wild. In der Tradition von queeren und posthumanistischen Denker:innen wie Donna Haraway und Jack Halberstam, begreift Schmidt den Körper nicht als isoliertes Objekt, sondern als Teil eines Netzwerks von Verflechtungen. In ihrer Installation wie auch in anderen Arbeiten, zum Beispiel dem Film Fellwechsel (2023) treten Mensch, Tier und Technik in einen Dialog. Gleichberechtigt, durchlässig, verbunden. Die Idee der Trennung wird zur Illusion, das scheinbar Feste beginnt zu fließen. Frau und Tier vermischen sich, sie werden verwandt. Kategorien weichen auf und das anthropozentrische Weltbild kippt, um uns einen neuen Blickwinkel auf uns selbst und die uns um- gebenden Zustände zu ermöglichen. Was entstehen könnte, ist keine romantisierte Utopie von Harmonie, sondern eine Möglichkeit, das Wilde in sich selbst als vitale widerständige Ressource zu erleben. Liobas Schmidts Arbeiten laden uns ein und fordern uns auf, durch- lässig zu werden und uns nah zu kommen. Sie konfrontieren uns mit dem, was dringlich ist, und was wir verlernt haben zu spüren: unsere Verbindung zu uns selbst, zu anderen Wesen, zur Umwelt. Ihre Kunst fragt, tastet, fühlt nach, lässt uns teilhaben und gibt uns Raum unsere eigenen Antworten zu finden. So wird der Kontakt zu unserem eigenem Begehren zur treibenden Kraft: das Sehnen nach Nähe, nach Transgression, nach Zugehörigkeit in jedem. [...]
 

 

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